Start Praxis Technik Beleuchtung öffentlicher Gebäude

Beleuchtung öffentlicher Gebäude

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1707/nieto-sobejano-arquitectos-madinat-al-zahra.jpg

Beleuchtung im Museum Madinat Al-Zahra von Nieto Sobejano Arquitectos

So unterschiedlich die Nutzungsart öffentlicher Gebäude sein kann, so spezifisch sind die Anforderungen. Museen, Krankenhäuser, Schulen, Universitäten, Sportstätten oder Behörden – die Lichtkonzepte für öffentliche Gebäude müssen exakt auf die Nutzungsart und die Bedürfnisse der sich darin aufhaltenden Menschen abgestimmt sein. Zusätzlich sind eine Reihe von Vorschriften und speziellen DIN-Normen zu beachten. Bei der Beleuchtung von öffentlichen Gebäuden ist auch stets an eine Notbeleuchtung zu denken. Um den besonderen Vorschriften und Bedürfnissen öffentlicher Gebäude gerecht zu werden, sollte eine systematische Lichtplanung mit folgender Vorgehensweise erfolgen:

1. Feststellen der Raumnutzung und der Sehaufgabe
2. Erfassen der Bereiche der ggf. unterschiedlichen Sehaufgaben
3. Erfassen von Reflexionsgraden der Raumbegrenzungsflächen
4. Eruieren der Hauptlichtrichtung
5. Festlegung der notwendigen Lichtgüte bzw. Qualität in Konformität zu geltenden Bestimmungen und DIN-Normen
6. Bestimmung der Art, Anzahl und Anordnung der Leuchten
7. Überprüfen der lichttechnischen Gütemerkmale durch entsprechende Berechnungen

Die rechtlichen Rahmenbedingungen bei der Beleuchtung öffentlicher Gebäude sind aus gutem Grund komplex, denn Licht erfüllt dort wichtige und vielfältige Aufgaben. Ein gutes Lichtkonzept für öffentliche Gebäude sorgt in erster Linie für optimale Sehbedingungen. Daneben gewährleistet es Orientierung und Sicherheit. Nicht zuletzt ist ein gelungenes Lichtkonzept auch Voraussetzung für physische und psychische Gesundheit, denn Licht beeinflusst maßgeblich Wohlbefinden, Konzentrationsfähigkeit und Leistungsfähigkeit. Idealer Weise vermittelt die Beleuchtung öffentlicher Gebäude dem Organismus auch Umweltinformationen, wie Jahres- oder Tageszeitenwechsel, um den Aufenthalt in den Räumen so angenehm und natürlich wie möglich zu gestalten. Schließlich erfüllt Licht auch gestalterische Aufgaben, um die Raumarchitektur optimal zu unterstreichen und ein positives Raumerlebnis zu kreieren. Lichtkonzepte für öffentliche Gebäude sollten insbesondere auf Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit ausgerichtet sein. Geringe Instandhaltungs- und Betriebskosten sowie ein sparsamer Energieverbrauch sind deshalb unverzichtbar. Aufgrund der vielen Kriterien gestaltet sich die Lichtplanung sehr komplex und verlangt die Zusammenarbeit von Lichtplanern, Architekten und Ingenieuren.

Relevante rechtliche Rahmenbedingungen
Aufgrund der Komplexität kann keine abschließende Übersicht aller relevanten Richtlinien erfolgen. Neben speziellen DIN-Normen für spezifische Gebäudetypen sind u.a. auch das Arbeitsschutzgesetzt, Unfallverhütungsvorschriften, das EPVG (Energieverbrauchsrelevante Produkte Gesetz) und ggf. die Bildschirmarbeitsverordnung relevant. Im Hinblick auf die umweltgerechte Gestaltung ist zudem die EU-Richtlinie 2009/125/EG zu nennen. Hinzukommen weitere Verordnungen und EU-Richtlinien im Hinblick auf LED-Beleuchtung.

Qualitätsmerkmale der Beleuchtung für öffentliche Gebäude
In erster Linie soll Beleuchtung für ideale Sehbedingungen sorgen. Wann diese vorliegen schreiben klar definierte Qualitätsmerkmale fest:
- Leuchtdichteverteilung,
- Beleuchtungsstärke,
- Blendung,
- Lichtrichtung und –Farbe und
- Farbwidergabe.

Sind Leuchten beispielsweise nicht harmonisch im Raum verteilt, muss das Auge eine ständige Adaptionsleistung erbringen und sich ständig an andere Lichtverhältnisse anpassen. Ermüdung und Konzentrationsschwächen sind die Folge. Eine optimale Leuchtdichte verhindert das. Bei der Beleuchtungsstärke müssen vor allen Dingen jeweils geltende DIN-Normen beachtet werden, die zur Beleuchtungsstärke exakte Angaben machen. Besondere Aufmerksamkeit ist Arbeitsplätzen zu widmen. Um die gewünschte Beleuchtungsstärke zu erzielen werden meist diffuses und direktes Licht kombiniert. Vorhandene Blendungen stören und beeinträchtigen die Sehbedingungen enorm. Verursacht werden sie durch leuchtende Decken oder beispielsweise durch den Einsatz suboptimaler Leuchten und eine zu hohe Leuchtendichte. Zu viele Leuchten können Reflexspiegelungen auf glänzenden Oberflächen bewirken. In öffentlichen Gebäuden muss die Blendung im sog. UGR-Verfahren berechnet und gemäß DIN EN 12464-1 bewertet werden.
Die Lichtrichtung bestimmt maßgeblich das räumliche Sehen, das durch das Wechselspiel von Licht und Schatten ermöglicht wird. Nur mit indirekter Beleuchtung ausgestattete Räume sind schattenarm und sollten mit tiefstrahlenden Leuchten ergänzt werden. Hinsichtlich der Lichtfarbe und –Widergabe gibt es bei öffentlichen Gebäuden keine konkreten Vorschriften.


Besonderheiten in öffentlichen Gebäuden: Beleuchtungsarten, Leuchtmodule, Wartungsfaktor, Leuchten, Schutzmaßnahmen
Grundsätzlich empfehlen sich handelsübliche Leuchten, um eine einfache Ersatzteilbeschaffung zu ermöglichen. Für die Beleuchtung öffentlicher Gebäude stehen Direktbeleuchtung, Indirektbeleuchtung oder eine Kombination aus beiden zur Verfügung. Eine reine Indirektbeleuchtung ist nur in begründeten Ausnahmefällen möglich wegen des hohen Energieaufwands. Bei Mischformen sollte der Anteil direkter Beleuchtung bei ca. 70 Prozent liegen, weil das als besonders wirtschaftlich gilt.

Um eine hohe Lichtausbeute zu erzielen sollten nach oben sowie nach unten strahlende LED-Module kombiniert werden. Die hohen Anforderungen an die Wirtschaftlichkeit erfordern zudem die Einhaltung eines bestimmten zu berechnenden Wartungsfaktors. Zusätzlich ist ein Wartungsplan zu erstellen.

Weil LED-Leuchtmittel unmittelbar nach Einschalten ihren maximalen Lichtstrom erreichen, kommen sie häufig in öffentlichen Gebäuden zum Einsatz. Stabförmige Leuchtstofflampen verwendet man hingegen nur noch in wenigen Anwendungsfällen, beispielsweise bei geringen Nutzungsstunden oder wenn aufgrund der Deckenhöhe Anbau- oder Einbauleuchten nicht in Frage kommen.

Für Arbeitsplätze in öffentlichen Gebäuden sind Einzelplatzleuchten nur in begründeten Ausnahmefällen möglich, beispielsweise wenn dort zeitweilig eine höhere Beleuchtungsstärke benötiget wird.

Bei der Auswahl der Leuchten für öffentliche Gebäude ist zu berücksichtigen, dass für Systemdeckenbeleuchtung Einlegeleuchten oder Deckenanbauleuchten bevorzugt werden. Sie bieten mehr Flexibilität bei notwendigen Umrüstungen.

In der DIN EN 60598-1 werden zudem besondere Schutzmaßnahmen vorgeschrieben, weshalb auf VDE-, ENEC-, oder CE-Kennzeichnung zu achten ist.

Da Beleuchtung in öffentlichen Gebäuden sehr komplex ist, sollte man einen kompetenten Lichtpartner involvieren und eine umfassende Planung sowie ein ausgefeiltes Lichtkonzept erarbeiten.

Eine Fassade aus Null und Eins am King Abdulaziz Center von Snøhetta

Eine Fassade aus Null und Eins am King Abdulaziz Center von Snøhetta

Für das außergewöhnliche Projekt King Abdulaziz Center for World Culture im Herzen der saudi-arabischen Ölfelder setzte der Glasfassadenspezialist seele den Entwurf des Architekturbüros Snøhetta in eine Fassade komplett aus Edelstahlrohren um. Nur durch die Verzahnung von modernsten Informationstech...

Schweizer Botschaft in Nairobi von ro.ma. Architekten

Schweizer Botschaft in Nairobi von ro.ma. Architekten

Die neue Schweizer Botschaft in der Hauptstadt Kenias bettet sich sanft in die Terrainlandschaft ein. Umfassungsmauer und Baukörper verschmelzen zu einem einheitlichen architektonischen Gebilde, das über hohe räumliche, funktionale und nachhaltige Qualitäten, über repräsentativ und zurückhaltend ges...

Hotel Domizil von DIA – Dittel Architekten

Hotel Domizil von DIA – Dittel Architekten

Das Tübinger Hotel Domizil wird von DIA – Dittel Architekten neu gestaltet und saniert. Im Fokus steht eine authentische, moderne Designsprache sowie die Neustrukturierung des Eingangs- und Restaurantbereichs.

Weitere Artikel:

Handaufmaß war gestern - Laserscanauswertung einer Basilika

Handaufmaß war gestern - Laserscanauswertung einer Basilika

Die in Düsseldorf stehende Pfeilerbasilika St. Margareta - ein architektonisches Meisterwerk Ihrer Zeit - wurde zwischen 1220 bis 1230 als Stiftskirche errichtet. Kunstvolle Gewölbe, klare Linienführung und gleichmäßige Formgebung prägen dieses Bauwerk.

Betonage von Betondecken

Betonage von Betondecken

Die Waldkraiburger Primo GmbH hat ein weiteres cleveres Zubehörtool für die Betonage von Betondecken entwickelt, auf den Markt gebracht und zum Patent angemeldet: Mit dem neuen »Schalfix« können Aussparungen in Betondecken zeit- und kostensparend realisiert werden. Trotzdem ist eine individuelle und...

Mit Farbe gegen Vergrünung, Algen und Schimmel

Mit Farbe gegen Vergrünung, Algen und Schimmel

Jeder kennt die Sünden der Vergangenheit, als man auf Putzfassaden dicke Farbschichten auftrug, Schimmel und Algen mit giftigen Bioziden fernhalten wollte und sich trotzdem nach relativ kurzer Zeit über unansehnlich »vergrünte« Außenwände oder Schimmel in der Wohnung ärgern musste.

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 R7

AZ Newsletter


Ihre E-Mail
 
   

Senden Sie mir die kostenlosen Nachrichten der AZ/Architekturzeitung per E-Mail zu. Meine Anmeldung erfolgt, nachdem ich die Datenschutzhinweise gelesen haben. Die Nachrichten können Werbung von Dritten enthalten. Mein Einverständnis zum Empfang der Nachrichten kann ich jederzeit widerrufen.

Fachwissen | Architekten + Planer

  • Problemzone Wärmebrücke
    Problemzone Wärmebrücke Mit den steigenden Anforderungen an die energetische Qualität von Gebäuden gewinnen Details und damit auch kleine Problemzonen immer mehr an…

Handaufmaß war gestern - Laserscanauswertung einer Basilika

Handaufmaß war gestern - Laserscanauswertung einer Basilika

Die in Düsseldorf stehende Pfeilerbasilika St. Margareta - ein architektonisches Meisterwerk Ihrer Zeit - wurde zwischen 1220 bis 1230 als Stiftskirche errichtet. Kunstvo...

Betonage von Betondecken

Betonage von Betondecken

Die Waldkraiburger Primo GmbH hat ein weiteres cleveres Zubehörtool für die Betonage von Betondecken entwickelt, auf den Markt gebracht und zum Patent angemeldet: Mit dem...

Mit Farbe gegen Vergrünung, Algen und Schimmel

Mit Farbe gegen Vergrünung, Algen und Schimmel

Jeder kennt die Sünden der Vergangenheit, als man auf Putzfassaden dicke Farbschichten auftrug, Schimmel und Algen mit giftigen Bioziden fernhalten wollte und sich trotzd...

Laserscannen von Bestandsgebäuden

Laserscannen von Bestandsgebäuden

Architekten, Planer und Ingenieure sind auf maßstabsgerechte Zeichnungen und Modelle angewiesen - sei es für den Umbau, die Neuplanung oder zur Dokumentation bestehender ...

Fußbodenheizung mit Trockenbauelementen

Fußbodenheizung mit Trockenbauelementen

Nicht überall eignen sich Nasssysteme, um eine effiziente Fußbodenheizung herzustellen. Teilweise braucht es Alternativen. Egal ob auf Massiv- oder Holzbalkendecken - die...

Marine-Gebäude 27E in Amsterdam vom Architekturbüro bureau SLA

Marine-Gebäude 27E in Amsterdam vom Architekturbüro bureau SLA

Eine ehemalige Ausbildungsakademie der Marine in Amsterdam sollte für den EU-Ratssitz der Niederlande vom Architekturbüro bureau SLA in ein Konferenz- und Pressezentrum u...

Neue Floating Badewanne

Neue Floating Badewanne

Eine innovative Badewanne, die das Wohlbefinden, die Entspannung und sogar die Gesundheit fördern kann, hat der japanische Sanitärhersteller TOTO entwickelt. Wohltuende T...

Stadionüberdachung mit extremer Langlebigkeit

Stadionüberdachung mit extremer Langlebigkeit

Am 14. Juni startete in Russland die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2018. Die französische Serge Ferrari Gruppe ist mit dem Dach der neuen Rostov-Arena live dabei. In die...

Druckstromentwässerung – flüssig einzubauen

Druckstromentwässerung – flüssig einzubauen

Extrem schmale Bauweise. Und dazu als Verarbeitungsextra ein an die Rinnengeometrie anpassbarer Klebeflansch. Bei der Druckstromentwässerung von innenliegenden Rinnen, di...

Trinkwasserhygiene bei überdimensionierter Installation

Trinkwasserhygiene bei überdimensionierter Installation

Das Bezirksamt Berlin-Neukölln hat die Gefahr in der rund 22 Jahre alten Dreifeldsporthalle im Werner-Seelenbinder-Sportpark rechtzeitig erkannt: Durch lange und groß dim...

Weitere Artikel:


Anzeigen AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.